TEDDY - The Environmental Determinants of Diabetes in the Young

 

Typ-1-Diabetes mellitus ist mittlerweile die häufigste Stoffwechselerkrankung bei Kindern unter 10 Jahren. Bei kleinen Kindern nimmt die Zahl der Neuerkrankungen besonders stark zu. Weltweit steigt die Neuerkrankungsrate des Typ-1-Diabetes jährlich um 3-5% an.

Die TEDDY-Studie ist die größte internationale Verlaufsbeobachtungsstudie auf dem Gebiet der Diabetesforschung. Neben Deutschland nehmen zudem Forschergruppen aus den USA, Finnland und Schweden an dieser Studie teil. Das Ziel ist es, Umweltfaktoren wie Infektionserreger, Ernährungs- und psychosoziale Faktoren (z.B. Stress) zu identifizieren, die zur Autoimmunität und zu Typ-1-Diabetes mellitus führen oder davor schützen. Die dabei gewonnenen Erkenntnisse sollen die Entwicklung von präventiven Therapien ermöglichen, um diese Krankheit in Zukunft verhindern und gegebenenfalls heilen zu können.

In TEDDY wurden weltweit 8668 Neugeborene aufgenommen. Die Neugeborenen wurden ausgewählt, weil sie Risikogene aufweisen, die im Zusammenhang mit Typ-1-Diabetes stehen. Weist ein Kind ohne einen erstgradig Verwandten mit Typ-1-Diabetes eine solche Genkombination auf, ist das Risiko an Typ-1-Diabetes zu erkranken zehnmal so hoch (ca. 4%) wie in der Normalbevölkerung (0,4%). Bei Kindern mit einem erstgradig Verwandten mit Typ-1-Diabetes und einer solchen Genkombination ist die Wahrscheinlichkeit selbst an Typ-1-Diabetes zu erkranken wesentlich höher (14%) als bei Kindern mit erstgradig Verwandten mit Typ-1-Diabetes, die diese Genkombination nicht besitzen (5%). Von den 8668 Neugeborenen kommen 593 Kinder aus Deutschland, von denen wiederum etwa die Hälfte aus Familien stammen, in denen mindestens ein Familienmitglied an Typ-1-Diabetes erkrankt ist. Alle Kinder werden bis zu ihrem 15. Lebensalter von einem professionellem Team engmaschig medizinisch, sozial und wissenschaftlich betreut.

Die TEDDY Wissenschaftler untersuchen die Teilnehmer regelmäßig auf Inselautoantikörper, um den Typ-1-Diabetes gegebenenfalls frühzeitig diagnostizieren zu können. Der Vorteil dieser frühzeitigen Diagnose für die TEDDY Familien ist die Reduzierung bis hin zur Vermeidung von Komplikationen wie zum Beispiel von Stoffwechselentgleisungen (Ketoazidose), die mit dieser Krankheit einhergehen.


Mit Ihrer Hilfe als TEDDY-Eltern tragen Sie wesentlich dazu bei, den Ursachen des Typ-1-Diabetes einen Schritt näher zu kommen. Dafür danken wir Ihnen recht herzlich!

 

 


 

 

Diabetes mellitus

 

 

Typen des Diabetes mellitus

Unter allen Diabetestypen - gemäß den Leitlinien der DDG (Deutsche Diabetes Gesellschaft) 2009 - kommen der Typ-1 und der Typ-2-Diabetes in der Bevölkerung am häufigsten vor. Obwohl beiden Diabetestypen gemein ist, dass bei Betroffenen der Blutzucker (Glucose) über dem Durchschnitt der Bevölkerung liegt, weisen beide Krankheiten sowohl in ihrer Entstehung wie auch in ihrem Verlauf Unterschiede auf. Von einer möglichen Verbindung zwischen beiden Diabetestypen kann nicht ausgegangen werden.

 

Typ-1-Diabetes

Der Typ-1-Diabetes ist mittlerweile die häufigste Stoffwechselerkrankung bei Kindern unter 10 Jahren. Auch wenn diese Autoimmunerkrankung in jedem Lebensalter auftreten kann, liegt ihr Erkrankungsgipfel in der Pubertät im Alter von 10-15 Jahren. Weltweit steigt die Neuerkrankungsrate des Typ-1-Diabetes jährlich um 3-5 % an.

Die über die Nahrung aufgenommenen Kohlenhydrate (z.B. in Getreideprodukten, Früchten, Hülsenfrüchten oder Kartoffeln) werden vom Verdauungsapparat zu Traubenzucker (Glucose) abgebaut, das dann über den Darm in den Blutkreislauf weitergeleitet wird. Glucose ist unter anderem eine der essentiellen Energielieferanten für die Körperzellen (Glykolyse). Überschüssige Glucose wird in der Leber und in den Muskelzellen gespeichert. In Phasen, wo wenige Kohlenhydrate eingenommen werden, wird die gespeicherte Glucose zur Energiegewinnung wieder freigegeben. Auf diese Weise kann der Blutzuckerspiegel (ca. 80-120 mg/dl) konstant gehalten werden.

Damit Glucose - sowohl zur Energiegewinnung wie auch zur Speicherung - in das Zellinnere gelangen kann, ist das Hormon Insulin notwendig. Insulin wird in der Bauchspeicheldrüse (Betazellen der Langerhans-Inseln) produziert. Ohne Insulin verbleibt die abgebaute Glucose weiterhin im Blut und die Körperzellen können nicht mehr mit Energie versorgt werden. Der Blutzuckerwert steigt mit jeder Kohlenhydratzufuhr weiter an.

Bei Typ-1-Diabetes gehen Insulin-produzierende Zellen in der Bauchspeicheldrüse zu Grunde. Dadurch kann die Bauchspeicheldrüse den Körper nicht mehr ausreichend mit Insulin versorgen. Es kommt zu einer Unterversorgung der Zellen. Hat die Zerstörung der Insulin-produzierenden Zellen ein bestimmtes Maß (80-90 %) überschritten, manifestiert sich die Autoimmunerkrankung Typ-1-Diabetes.

Um den Energiemangel auszugleichen werden Energiereserven des Fettgewebes freigesetzt. Zwei dieser Energieträger sind schwache Säuren. Zeitgleich zur drastischen Abnahme des Insulins steigt die Konzentration dieser schwachen Säuren im Blut an, wodurch es zu einer gefährlichen Übersäuerung (Ketoazidose) kommen kann. Mediziner sprechen in diesem Fall von einer Stoffwechselentgleisung.

Die Ursachen für die Entstehung von Typ-1-Diabetes ist noch nicht hinreichend geklärt. Sowohl genetische wie auch Umweltfaktoren (u.a. bestimmte Lebensgewohnheiten, Ernährungsfaktoren oder Infektionen) könnten Ursache für die Manifestation des Typ-1-Diabetes sein.

 

Typ-2-Diabetes

Im Unterschied zum Typ-1-Diabetes ist beim Typ-2-Diabetiker zwar ausreichend Insulin im Blut vorhanden, welches aber nur bedingt oder auch gar nicht in die Zellen gelangt. Statt von einer Autoimmunkrankheit zu sprechen, bei der die Insulin-produzierenden Zellen zerstört werden, spricht man hier von einer Insulinresistenz der Zellen. Typ-2-Diabetes ist demzufolge gekennzeichnet zum einem durch eine Insulinresistenz (einer verminderte Empfindlichkeit der Körperzellen auf Insulin) und andererseits durch einer gestörten Funktion der insulinproduzierenden Betazellen mit der Folge eines relativen Insulinmangels.

 

 

 


 

 

Typ-1-Diabetes und Zöliakie

 

 

Die Zöliakie ist eine Erkrankung des Dünndarms, die durch Symptome wie Durchfall, Gewichtsverlust, verzögertes Wachstum, Verdauungsstörungen und Anämie gekennzeichnet ist. Etwas 0,3% der Normalbevölkerung haben eine Zöliakie. Die Erkrankung resultiert aus einer Zerstörung der Dünndarmschleimhaut, bei der ebenfalls das Immunsystem eine wichtige Rolle spielt. Auch die Zöliakie ist frühzeitig durch Antikörper gegen Gliadin (ein Bestandteil des in Getreide enthaltenen Eiweiß Gluten) und gegen ein Enzym (die Transglutaminase C) feststellbar. Die Behandlung der Zöliakie erfolgt durch eine lebenslange glutenfreie Ernährung, wodurch sich die Dünndarmschleimhaut regeneriert und die Symptome verschwinden.
Da die Erkrankung Zöliakie sowohl bei Typ-1-Diabetikern als auch bei deren Kleinkindern gehäuft auftritt, wird vermutet, dass die Entstehung beider Erkrankungen von ähnlichen Faktoren beeinflusst wird. Vermutet wird, dass das gehäuft gemeinsame Auftreten von Typ-1-Diabetes und Zöliakie vor allem durch gemeinsame genetische Risikogene bedingt ist, mit dem beide Erkrankungen assoziiert sind. Aber auch vergleichbare immunologische Mechanismen werden diskutiert. Bekannt ist, dass die Zöliakie unter anderem durch das Gliadin ausgelöst wird. Es wird vermutet, dass dieser Nahrungsbestandteil auch bei der Entstehung des Typ-1-Diabetes eine Rolle spielt. Darum wird auch im Rahmen der TEDDY Studie am dem 2. Lebensjahr regelmäßig bei allen TEDDY Kindern die zöliakie-assozierten Antikörper im Blut bestimmt.

 

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