Weihnachtsglocken     Emil und der Weihnachtsstern

In drei Tagen ist Heiligabend! Emil freut sich sehr darüber. „Weihnachten ist immer so schön“ – schwärmt Emil. Er kann es kaum noch abwarten. Schon Wochen vorher malt er sich aus, wie wunderbar Weihnachten sein wird. An dem großen Weihnachtsbaum mit den schönen, bunten Lichtern werden glänzende Weihnachtskugeln wie Sterne funkeln. Unter dem Baum werden sich dann die vielen Geschenke türmen, wovon mindestens die Hälfte für ihn alleine bestimmt ist. Mama, Papa, Opa und Oma, Emma und ihre Eltern und viele weitere Gäste werden um den schön dekorierten Tisch sitzen und fröhlich miteinander essen und trinken. Der Duft von leckeren Plätzchen, Lebkuchen und Schokoladenherzchen wird in der ganzen Wohnung zu riechen sein. Und viele leuchtende Kerzen werden das Wohnzimmer in eine winterliche Märchenwelt verwandeln. Weihnachten ist immer so gemütlich! Alles ist so friedlich und jeder ist glücklich. „Warum kann es nicht schon morgen Weihnachten sein?“ - fragte sich Emil ungeduldig.

Aber morgen muss Emil erst einmal zur TEDDY-Untersuchung. Davor hat er Angst. Vor allem das Blutabnehmen flößt in ihm Furcht ein. Die ganze Nacht über kriegt er kein Auge zu. „Der Pieks beim Blutabnehmen wird weh tun“ – dachte sich Emil. „Nein, ich will nicht, dass man mich sticht!“ – beklagte er sich. „Nein, ich will morgen nicht zur Untersuchung“ – jammerte er vor sich hin.

„Hoffentlich wird Emma morgen mit dabei sein. Emma ist nämlich immer so tapfer“ – sagte Emil zu sich. Emil und Emma besuchen schon seit langem die gemeinsame Kindergartengruppe. Beide gehören der Mäusegruppe an. Ihren Mut und ihre Tapferkeit bewundert Emil sehr. Er wünschte sich, er wäre genauso tapfer wie Emma. „Wenn Emma morgen mit dabei wäre,“ – dachte er sich – „würde ich sicherlich keine Angst vor der Blutabnahme haben.“

  Emil und Weihnachtsstern 1

  

Der nächste Morgen rückte immer näher. Seinen Teddy-Bär fest umschlungen wünschte sich Emil ein Wunder herbei. An was kann er sich wenden und wer könnte ihm noch in dieser Nacht seinen Weihnachtswunsch erfüllen? Ein guter Weihnachtsengel oder gar das Christkind selbst? „Es ist doch Weihnachten und zu Weihnachten werden Wünsche erfüllt“ – so dachte Emil. Verzweifelt schaute er in seinem Zimmer umher und suchte nach einem Wunder. Nichts passierte. Die Spielsachen lagen wie immer in der Spielzeugkiste und die Bücher standen immer noch im Regal. Sein Weihnachtswunsch wurde also nicht erhört. Enttäuscht schaute Emil aus dem Fenster und blickte zum Nachthimmel empor: Unendlich viele Sterne blinkten und funkelten oben am Himmel. Er wünschte sich, er wäre einer von ihnen: ein kleines, glückliches Licht in der Nacht unter vielen anderen kleinen, glücklichen Lichtern. „Die Sterne sind glücklich, weil sie in der stillen Nacht vergnügt vor sich hin glitzern und funkeln“ – sagte Emil zu sich. „Ach, ich wünschte, ich wäre auch ein glitzernder und funkelnder Stern.“ Emil kannte diesen Anblick sehr gut, denn jedes Mal, wenn er Sorgen hatte, schaute er gen Himmel und suchte Trost bei den Sternen. In dieser Nacht jedoch strahlte ein Stern besonders hell. „Ein Weihnachtsstern?“ – fragte er sich. Sofort richtete er seinen Weihnachtswunsch sogleich an diesen Weihnachtsstern: „Lieber Weihnachtsstern, bitte lass ein Wunder geschehen. Ich habe Angst vor dem Blutabnehmen morgen.“ Sein Weihnachtsstern fing plötzlich an wie ein funkelnder Edelstein zu blinken. Anscheinend hat er Emils Wunsch erhört. Doch was hat dieses Blinken zu bedeuten? Vielleicht wird die Untersuchung morgen ja ausfallen. Oder Emil wird sich noch heute Nacht in einen Stern verwandeln. Oder er wird morgen so stark und tapfer wie Emma sein, dass er keine Schmerzen verspüren wird. „Ein tapferer, kleiner Forscher zu sein, das wäre mein Wunsch“ – dachte sich Emil und schlief daraufhin zuversichtlich ein, denn er wusste, sein Weihnachtsstern wird ihm morgen zur Seite stehen.

 

Emil und Weihnachtsstern Bild 2

  

In dieser Nacht hatte Emil einen sonderbaren Traum. Er träumte, wie ihn seine Mutter am nächsten Morgen aufweckte und zu ihm sagte: „Emil, steh auf. Wir gehen heute zur TEDDY-Untersuchung.“ „Die Untersuchung fällt also nicht aus“ – stellte er enttäuscht fest. „Aber dann wird sicherlich ein anderes Wunder geschehen.“ Zuversichtlich zog sich Emil an, wusch sich, frühstückte Müsli mit Obst und fuhr daraufhin mit seiner Mutter zur Untersuchung. Bei der TEDDY-Untersuchung trat Emma mit ihrer Mutter an der Hand freudig aus dem Untersuchungsraum heraus. Ein gelbes Pflasterchen mit vielen Marienkäfern verzierte ihren linken Arm. Sie erzählte ihm, dass ihr die Untersuchung richtig Spaß gemacht hatte. „Die Tanten waren sehr lustig und der Pieks tat auch nicht weh“ – sagte Emma zu Emil. Dann verabschiedeten sie sich und Emil und seine Mutter betraten ermutigt den Untersuchungsraum. Im Untersuchungsraum empfingen ihn und seine Mutter zwei sehr freundliche Damen. Eine von ihnen unterhielt sich mit seiner Mutter und die andere zeigte ihm die ganzen tollen Spielsachen, die es in diesem Zimmer zu entdecken und ausprobieren gibt. Anschließend wurde Emil von den beiden Damen gemessen und gewogen. Der Zeitpunkt für die Blutabnahme rückte immer näher. Bis jetzt ist noch kein Wunder geschehen. Während seine Hoffnung auf ein Wunder nach und nach dahinschwand, wuchs hingegen seine Angst an. Emil wurde ganz unruhig. Eine der beiden Damen legte ihm ein grünes Bändchen um seinen kleinen Arm, den sie ganz zart festhielt. Nervös schaute Emil der Nadel nach. Die Dame fragte ihn, was er sich denn so zu Weihnachten gewünscht habe. Und wie aus der Pistole zählte Emil ihr all die schönen Dinge auf, die er zu Weihnachten gerne hätte: Ein Bilderbuch mit Dinosauriern, eine Taschenlampe mit Blinkfunktion, Geheimstifte, ein Brettspiel mit Rittern und viele andere tolle Sachen mehr. Nachdem Emil mit seiner Aufzählung fertig war, teilte ihm die freundliche Dame mit, dass auch das Blutabnehmen schon vorbei sei. Vor lauter Geschenken im Kopf tat Emil der Einstich in den rechten Arm überhaupt nicht so weh, wie er ihn Tage zuvor befürchtet hatte. Es war so, als hätte ihn die Dame einfach nur ein bisschen in den Arm gezwickt. „So schlimm war es ja gar nicht“ – rief Emil freudig aus. „Mein Weihnachtsstern hat mich über Nacht in einen tapferen Helden verwandelt.“ Über beide Ohren hinweg strahlte Emil. Er war so stolz auf sich selbst: „Ich bin ein tapferer, kleiner Forscher! Genauso wie Emma“ – sagte er zufrieden zu sich selbst. Im Nachhinein wusste er gar nicht so recht, warum er so fürchterliche Angst vor der Blutabnahme hatte.

Kurz darauf wachte Emil aus seinem Traum auf. „Alles nur geträumt! Wie schade“ – stellte er enttäuscht fest. Am rechten Ellenbogen bemerkte er aber ein blaues Pflasterchen mit lustigen Piraten drauf. „Es war also doch kein Traum! Ich bin wirklich ein tapferer, kleiner Forscher!“ – jubelte Emil. Sein Weihnachtsstern hatte also seinen Wunsch erfüllt. Von nun an wusste er, dass sein Weihnachtsstern ihm immer zur Seite stehen würde, sobald er wieder mal Sorgen haben sollte.

 

Emil und Weihnachtsstern Bild 3

  

Am Heiligabend feierten Emil mit Mama, Papa, Opa und Oma, Emma und ihren Eltern und den vielen anderen Gästen fröhlich um den schön geschmückten Weihnachtsbaum. Viele leckere Speisen gab es zu essen und viele Geschenke gab es auszupacken. Über die vielen Geschenke war Emil zwar sehr froh, aber am meisten hat er sich darüber gefreut, dass er genauso tapfer ist wie Emma. Jeder lobte Emma und Emil für ihre Tapferkeit, und darüber waren sie sehr glücklich. Für beide war dieses Weihnachtsfest wohl das schönste Weihnachtsfest, das sie je erlebt hatten. Vor der nächsten Blutabnahme haben beide auf jeden Fall keine Angst mehr.

                                                          Spritze

Was machst Du, wenn Du mal Angst hast?

 

 

 

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